Wenn das Katzenauge eitert - die Folgen einer unbehandelten Bindehautentzündung

von Dr. med. vet. Gisela Jöhnssen

Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) tritt bei Katzen häufig auf. Sie kann für sich allein vorkommen, aber auch Erst- oder Begleitsymptom einer Erkrankung des Auges oder des gesamten Organismus darstellen. Bei der Katze findet sie sich am häufigsten im Zusammenhang mit dem so genannten Katzenschnupfen, einer durch Viren (vor allem Herpes- und Caliciviren) bedingten und bakteriell komplizierten Infektionskrankheit. Nur durch eine frühzeitige und regelmäßig durchgeführte Behandlung lassen sich schwere Folgen für das Auge verhindern.

Schnell fortschreitender Krankheitsverlauf

Die Bindehäute des Auges sind eine der Eintrittspforten, über die die Erreger des Katzenschnupfens in den Körper gelangen. Als erste Reaktion, meist noch vor dem Auftreten allgemeiner Krankheitserscheinungen wie Fieber und Mattigkeit, stellt sich heftiger wässriger Augenausfluß ein, verbunden mit Rötung und Schwellung der Bindehäute sowie Lichtscheue. Der Prozeß kann einseitig beginnen, greift dann jedoch auf das zweite Auge über. In kurzer Zeit wird das Sekret schleimig-eitrig. Es klebt an den Lidern und der Umgebung der Augen und führt zur Lidrandentzündung.

Eitrige Bindehautentzündung mit
 starker Schwellung der Bindehäute
vor allem im Bereich des vorgefallenen
 dritten Augenlids und begleitende
Lidrandentzündung

Aufgrund von Schmerzen wird das Auge "zusammengekniffen", es kommt zum Lidkrampf. Eingetrocknetes Sekret kann Ober- und Unterlid miteinander verbinden, so daß die Katze das Auge nicht mehr öffnen kann.
Manche Katzenwelpen zeigen eine derartige, schwere Konjunktivitis ohne ausgeprägte Symptome von Seiten des Atmungstraktes und machen auch insgesamt einen munteren Eindruck. Deshalb greift der eine oder andere Katzenbesitzer zu "altbewährten Hausmitteln" wie Kamillentee und versucht einige Zeit lang, die Infektion durch "Auswaschen der Augen” in den Griff zu bekommen. Dieses Vorgehen hat jedoch keinen Erfolg, da sich die Entzündungserreger dadurch nicht beseitigen lassen. Schlimmer noch, die Entzündung kann sich ungehindert ausbreiten und weitere Teile des Auges erfassen. Je länger sie ohne spezifische Therapie bleibt, desto schwerwiegender sind die Folgen.

So manches Auge geht verloren

Verklebungen durch die Entzündungsprodukte entstehen nicht nur an den Lidern, sondern auch an den Bindehäuten, die die Innenseite der Lider und Teile des Augapfels überziehen. Bei chronischem Verlauf werden daraus Verwachsungen (nächste Abbildung), die das Öffnen des Auges beeinträchtigen können und nur noch chirurgisch zu lösen sind.

Häufig betreffen diese das Unterlid und das dritte Augenlid (siehe nächste Abbildung, weiß). Das beim gesunden Tier im inneren Augenwinkel verborgene dritte Augenlid ist dadurch im vorgefallenen Zustand fixiert und deshalb sichtbar.

Durch die Verwachsungen werden zudem meist die Abflußwege der Tränenflüssigkeit blockiert. Deren Beginn, die so genannten Tränenpünktchen, befinden sich auf der Ober- und Unterlidkante im Bereich des inneren Augenwinkels. Die Katze leidet als Folge der überstandenen Infektion dann unter permanentem Tränenfluß, sichtbar an einer Tränenstraße vom inneren Augenwinkel in Richtung Nase. Um diesen zu beheben, ist in aller Regel das operative Anlegen eines neuen Abflußweges für die Tränenflüssigkeit notwendig. Nur selten gelingt es - unter Voraussetzung noch vorhandener, also nicht verwachsener Tränenpünktchen - Entzündungsprodukte aus dem Tränenkanal zu spülen und diesen wieder durchgängig zu machen.
Die Beteiligung von Herpesviren läßt das Krankheitsgeschehen schnell auf die Hornhaut (Kornea) übergreifen. Durch den Entzündungsprozeß erscheint die normalerweise durchsichtige Kornea milchig getrübt. Aus der Bindehaut und von tieferen Augenstrukturen sprossen Blutgefäße in die sonst gefäßlose Hornhaut ein.

Milchig aussehendes Hornhautgeschwür
 (im Hintergrund bläulich schimmernde Pupille)
mit entzündungsbedingter Einsprossung
 von baumartig verzweigten Blutgefäßen.

Ihre Oberfläche wird angegriffen und in ihrem Zentrum entsteht ein Hornhautgeschwür, das beträchtliche Ausmaße annehmen kann.
Im Geschwürbereich wird die Hornhaut immer dünner und kann schließlich einreißen. Das Kammerwasser des Auges, das die rundliche Form des vorderen Augenabschnittes bewirkt, fließt ab, wodurch das Auge schrumpft. Im günstigsten Fall legt sich die Regenbogenhaut (Iris) von innen an den Hornhautdefekt an, verwächst in diesem Bereich und verschließt so das Loch in der Hornhaut. Die Pupille, die von der Iris gebildet wird, ist dadurch dauerhaft deformiert. Sie kann nicht mehr wie bei einem gesunden Auge auf die Lichtstärke mit Verengung bzw. Erweiterung reagieren. Weit schwerwiegender sind die Folgen, wenn Bakterien über die Öffnung in der Hornhaut in das Innere des Auges eindringen. Meist kommt es dann zu einer eitrigen Einschmelzung des gesamten Augapfels, der in diesem Stadium bereits unrettbar verloren ist (siehe nächste Abbildung).

Einen ähnlichen drastischen Verlauf kann die infektiöse Augenentzündung der Neugeborenen nehmen. Sie tritt bei den Jungtieren auf, deren Augen noch nicht geöffnet sind. Unter den geschlossenen Lidern kommt es zur Eiteransammlung, durch die die Lider vorgewölbt werden. Manchmal entleert sich Eiter aus einer kleinen Öffnung der sonst noch verschlossenen Lidspalte. Auch hier kann eine ausbleibende frühzeitige Behandlung den Verlust des Auges zu Folge haben.

Behandlungsgrundsätze

Das Auge ist ein empfindliches Organ und reagiert auf äußere Reize und Infektionserreger schnell und heftig. Wir kennen das aus eigener Erfahrung bei einer beginnenden Grippe oder wenn uns beispielsweise eine Wimper ins Auge geraten ist und nicht umgehend entfernt wird. Das Auge tränt, schmerzt, die Bindehäute röten sich und der Zustand verschlechtert sich zusehends. Eine baldige Therapie eines entzündeten Auges ist deshalb oberstes Gebot. Sie muß spezifisch auf die Erreger ausgerichtet sein, weshalb der Tierarzt ggf. Abstriche aus dem Auge entnimmt. Medikamente kommen in Form von Augensalben oder Augentropfen zur Anwendung. Sie müssen regelmäßig mehrmals täglich und ausreichend lang, das heißt über den Heilungsprozeß hinaus bzw. nach Anweisung des Tierarztes, in die Augen eingebracht werden. Nur durch eine konsequente Behandlung lassen sich die Erreger beseitigen und ein Wiederaufflammen der Entzündung nach anfänglicher Besserung verhindern.

Quelle: Lebendige Tierwelt 4/2000, Hrsg. Bundesverband Praktischer Tierärzte e.V.
© Abbildungen 1 + 5: Jöhnssen, Abb. 2 + 3: Gränitz, Abb. 4: Köstlin

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Ein sehr empfehlenswerter Buchtipp zu diesem Thema:


“Infektionskrankheiten bei Hund und Katze” von R. M. Gaskell & Melcolm Bennett


Sowohl in der Einzeltierhaltung als auch bei der Betreuung größerer Katzenbestände stellen Infektionskrankheiten heute ein schwerwiegendes Problem dar, das eine effiziente Kontrolle und Vorsorge notwendig macht. Dieses Buch behandelt auf ausführliche Weise die am stärksten verbreiteten Infektionskrankheiten der Katze, wie z.B. den Katzenschnupfen (Calici, Herpes, Chlamydien), Panleukopenie, Corona, FIP, FeLV, FIV, Enzephalopahie, Ataxie und dergleichen mehr....
Klinische Symptomatik, Diagnose, Behandlung und Prophylaxe werden für die wichtigsten durch Viren, Bakterien und Pilze hervorgerufenen Erkrankungen in übersichtlicher Weise präsentiert. Erläuternde Diagramme sorgen für einen schnellen Informationszugriff.
Der Originaltext wurde durch Kommentare von Frau Dr. med. vet. Katrin Hartmann, Medizinische Tierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, bereichert, die insbesondere auf die Unterschiede in Sachen Therapie und Rechtsvorschriften zwischen Großbritannien und Deutschland hinweisen
Auch wenn uns (im Gegensatz zu den seit langem ausreichend erforschten anderen Virusinfektionen) in Sachen FIP, FIV und FeLV immer wieder neue Erkenntnissen präsentiert werden, vermittelt dieses Buch doch eine gute Grundlage der Kenntnisse aus jahrelangen Studien. Alles in Allem ein sehr zu empfehlendes Buch, welches ich nicht mehr missen möchte.!

(Taschenbuchausgabe, 237 Seiten, 1999, Blackwell Wissenschaftsverlag, ISBN 3826331451,19,95 EUR)

“Virusinfektionen bei Katzen” von Prof. Dr. Marian C. Horzinek

Ein weiteres Buch zum Thema Infektionskrankheiten stammt von einem der anerkanntesten Virologen: Prof. Dr. Marian Horzinek von der Universität Utrecht. Horzinek beschäftigt sich hier ausschließlich mit den Viruserkrankungen der Katze, als da wären: Panleukopenie (Katzenseuche), Katzenschnupfen (Herpes, Calici), FeLV (Leukämie), FIV (Katzenaids), Corona und FIP sowie Tollwut und Pseudowut.
Bevor er jedoch auf die einzelnen Infektionen eingeht, gibt er zunächst eine äußerst interessante Einführung in die Virologie. Er klärt den Leser über die Anatomie des Virions auf, erläutert, wie sich Viren entwickeln, vermehren und mutieren, warum keine völlige Ausscheidung des Virus nach Abklingen der Krankheit erfolgt, welche Impfstoffe es gibt, wie der Imfpschutz funktioniert, die Immunität aufgebaut wird und wie oft geimpft wird (wobei ich darauf hinweisen möchte, dass zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Buch von Seiten Horzineks noch keine Rede von einer Ausdehnung der Impfintervalle war, so wie er sie gegenwärtig öffentlich propagiert.)
Wenngleich davon auszugehen ist, dass ein in 1990 erschienenes Fachbuch sicherlich nicht mehr in allen Einzelheiten den aktuellen Stand der Forschung wiedergibt, so ist dieses Buch dennoch sehr empfehlenswert, um sich ein eingehendes Bild über die verschiedenen Katzenvirosen und deren Anzeichen sowie Auswirkungen zu verschaffen. Es ist auch für den Laien gut verständlich und sehr aufschlussreich!

(großformatige Taschenbuchausgabe,1990, 98 Seiten, Enke, ISBN 343298801x, 29,95 EUR)



“Krankheiten der Katze” von den Professoren Horzinek, Schmidt u. Lutz

Eines der beiden zweifellos umfassendsten und empfehlenswertesten veterinärmedizinischen Nachschlagewerke im Hinblick auf die Katzengesundheit ist die 4. überarbeitete Auflage von “Krankheiten der Katze”, deren Hauptautoren die renommierten Professoren Marian C. Horzinek, Hans Lutz und Vera Schmidt sind. Die dritte Auflage erschien 2003 und erfreute sich so großer Nachfrage, dass bereits zwei Jahre später eine 4. Auflage anstand, die somit auch gleich den neusten medizinischen Kenntnissen angepasst werden konnte.
Gemeinsam mit unzähligen anderen anerkannten Spezialisten haben sie die Erfahrungen vieler Kliniken im In- und Ausland zusammengetragen, welche auf allen Teilgebieten der Katzenmedizin das ganze Spektrum des Wissens abdecken und aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungstendenzen berücksichtigen. Es werden neue medizinische Wege beschritten, um den Anforderungen der täglichen Praxis gerecht zu werden.
Das breit gefächerte Spektrum (allein das Inhaltsverzeichnis beläuft sich auf 12 Seiten) umfasst Verhaltensstörungen, Ratschläge zur Vorbereitung und Handhabung der Allgemeinuntersuchung, die klinische Labordiagnostik, Röntgen- und Ultraschallbilder, Virusinfektionen und Infektionen bakterieller Art, Mykosen (Pilzbefall), Parasitosen (Parasitenbefall), Erkrankungen von Herz- und Kreislauf, der Atemwege, der Haut, von Mund und Zähnen, des Magen-Darm-Traktes, der Leber, des Pankreas (Bauchspeicheldrüse), der Nieren und Harnwege, der Geschlechtsorgane, des Nervensystems, der Augen, des Blutes, der endokrinen Organe und des Immunsystems. Weiterhin befasst man sich mit Erbkrankheiten, Skelettveränderungen, Traumen, Vergiftungen, Tumoren, Alterskrankheiten, Anästhesie, Chirurgie, Orthopädie, Arzneimitteltherapien/-wirkungen, Energie- und Nährstoffbedarf. Abschließend wird noch ein Blick auf das Management von Haltung und Zucht sowie auf einige Rechtsfragen in bezug auf die Katze geworfen.
Das gesamte Werk ist sehr übersichtlich gegliedert und gestaltet, reich bebildert und sehr angenehm zu lesen. Kurzum: Ein unverzichtbares Nachschlagewerk, das Antworten auf nahezu alle Fragen zur erkrankten Katze liefert! (Leider hat es auch einen dementsprechenden Preis....)

 (Großformatige, gebundene Ausgabe, 880 Seiten, 2005, Enke Verlag, ISBN 3830410492, 149,90 EUR)

 

“Katzen Krankheiten” Band 1 + 2 von W. Kraft, U.M. Dürr und K. Hartmann

Und hier haben wir das zweite der beiden zweifellos umfassendsten und empfehlenswertesten veterinärmedizinischen Nachschlagewerke über die Krankheiten der Katze. Lange musste man auf diese 5. überarbeitete Ausgabe warten, endlich ist sie im Handel und hat gegenüber den früheren Auflagen eine ganz erhebliche Erweiterung erfahren: Sie liegt erstmalig in zwei Bänden vor. Das zeigt nicht nur die erheblichen Erweiterungen, die die einzelnen Kapitel erfuhren, sondern spiegelt auch die geradezu sprunghafte Entwicklung wider, die sich in den letzten Jahren auf allen Gebieten der Kleintiermedizin ergeben haben.
Der Tatsache Rechnung tragend, dass die Katze immer mehr an Beliebtheit gewinnt und verstärkt in der Tierarztpraxis vorgestellt wird, liefern die Autoren eine völlige Neubearbeitung und Aktualisierung dieses Standardwerkes, welches erhebliche Erweiterung erfahren durfte.
Die Themengebiete der 1467 Seiten erstrecken sich von Behandlungstechniken über Endoskopie, Bildgebende Verfahren, Sofortmaßnahmen bei akuten Traumen und Notfällen, Vergiftungen, Infusionstherapie und Sondenernährung, Impfung, virale und bakterielle Infektionskrankheiten, Mykosen, Zoonosen, Parasitosen, Krankheiten des Auges, der Ohren, der Haut, des Bewegungsapparates, der Zähne und des Kiefers, des Kreislaufsystems, des Respirationstrakts, der Verdauungsorgane, der Leber, der Pankreas, der Harnorgane, des Blutes, des Immunsystems und des Nervensystems bis hin zur Gynäkologie, Missbildungen, Stoffwechselstörungen, Alterserkrankungen, Tumoren, Onkologie, Ernährung und Diätetik, Verhaltensprobleme, Chirurgie und sogar Tötung.
Interessant ist hierbei, dass manche Krankheitsbilder in verschiedenen Kapiteln (also von unterschiedlichen Autoren) beschrieben werden, was zur Folge hat, dass unterschiedliche Meinungen zum Ausdruck kommen, was dem Leser ein breiteres Blickfeld eröffnet.
Kurz gesagt: Das Warten hat sich gelohnt, die Fülle ist atemberaubend - wenngleich dieses Werk hinsichtlich des Fachjargons nicht ganz so verständlich für den Laien ist wie das vorgenannte Werk.

 (Gebundene Ausgabe, März 2003, Schaper Verlag, ISBN 3794401999, 168,00 EUR)

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(letzte Änderung dieser Seite: 15 April, 2006)


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