So schaffen Sie Erleichterung

 - von Dr. med. vet. Thomas Görblich -

Katzen entziehen Ihrer Nahrung viel Wasser - und leiden daher gelegentlich unter Verstopfung. Mit einigen einfachen Maßnahmen können Sie vorbeugen.

Die meisten Katzen sind harten Stuhl gewöhnt: Die Natur hat sie mit einem speziellen Mechanismus versehen, der es ihnen erlaubt, auch in trockenen Regionen zu überleben: Unter anderem können sie Wasser sparen, indem sie den Flüssigkeitsveriust über den Kot gering halten. Meist bleibt dies folgenlos für das Tier - es scheidet den Kot wie gewöhnlich aus, nur daß er eben etwas fester ist. Manchen Katzen macht harter Kot jedoch sehr zu schaffen. Sie klagen lautstark auf der Toilette und plagen sich sichtlich, bis sie endlich erlöst sind. In diesen Fällen sollten Sie als Besitzer ein wenig Abhilfe schaffen, denn dauerhafte Verstopfung kann zu Gesundheitsschäden führen und beispielsweise den Enddarm stark erweitern.

Im Prinzip lässt sich zu harter Stuhl durch zwei Möglichkeiten beeinflussen: Zum einen kann die Verweildauer des Kotes irn Enddarm gesenkt werden, denn dann bleibt dem Körper weniger Zeit, Wasser zu entziehen, und der Kot wird weicher. Zum anderen kann die Wasserbindung des Darminhaltes beinflußt werden, so daß ebenfalls mehr Feuchtigkeit enthalten und der Kot damit weicher ist.

Rohfaser und Kohlenhydrate

Bei den meisten Maßnahmen zum Weichhalten des Kotes werden beide Möglichkeiten genutzt: die Verweildauer und sie Wasserbindung des Kotes, allerdings in unterschiedlichem Maß. Der einfachste Weg ist zunächst, auf ein rohfaserreicheres Futter auszuweichen. Die Rohfaser sorgt für ein größeres Kotvolumen und damit für eine schnellere Passage. Einige tierärztliche Diätfuttermittel enthalten entsprechend mehr Rohfaser, meist, um eine Gewichtsreduktion zu fördern (Light-Produkte). Dabei sollte man aber, besonders bei Katzen, die nicht übergewichtig sind, sehr genau darauf achten, daß die Katze durch den verringerten Energiegehalt nicht an Gewicht verliert. Gelegentlich verschmähen Katzen Diätkost, wenn sie zu viel Rohfaser enthält.
Dies läßt sich durch die Gabe von herkömmlichen Kohlenhydraten umgehen, die Katzen nur sehr schlecht auf- schließen können. Dazu zählt z.B. Milchzucker (Lactose), auch in Form von Trinkmilch, die mit Wasser 1:1 gemischt werden kann, oder Lactulose, die in der Apotheke als Sirup erhältlich ist. Bei manchen Tieren kann dies jedoch sehr stark wirken, sodaß man sich langsam an die erforderliche Dosis herantasten sollte. Daß Derartiges niemals bei einem akuten Verstopfungsfall gegeben werden darf, da sich sonst die Symptome noch verschlim- mern, versteht sich von selbst.

Die Suche nach möglichen Ursachen

Eine weitere Kohlenhydratquelle, die bei Katzen mäßig abführend wirkt, ist rohe Kartoffelstärke (z.B. von Südstärke, Schrobenhausen). Diese läßt sich gut unter Feuchtfutter mischen und kann von der Katze zum Teil verdaut werden, wobei der unverdaute Rest dann den Kot schonend weich hält.

Andere Möglichkeiten sind Leinsamen, Kürbis in Dosen oder etwas Speiseöl im Futter, was aber nichtt alle Katze akzeptieren. Ähnliches gilt für Kleie oder kleiehaltige Getreideflocken, die gegen leichte Verstopfung wirken. Vielfach haben sich Probleme mit hartem Kot auch dadurch lösen lassen, daß Katzengras als Rohfaserquelle zur freien Aufnahme zur Verfügung stand.

Hinweise auf eine mögliche Ursache der Verstopfung können sich auch aus der Umgebung der Katze ergeben: Hat sie Probleme mit dem Kistchen? Steht es ungeschützt? Ist das Katzenstreu ungeeignet? Ist es schwer erreichbar?

    Hilfe durch alternative Heilmethoden

Sehr wichtig bei allen chronischen und hartnäckigen Kotabsatzbeschwerden ist eine gründliche tierärztliche Untersuchung. Gibt es Hindernisse, die die Darmpassage einengen? Ist die Nervenversorgung des Darmes gestört? Liegt eine alte Beckenverletzung vor?

Natürlich hält auch die homöopathische Medizin einige Tips parat: An häufig eingesetzten Mitteln haben sich Lachesis D12 oder Lycopodium D12, Sulfur D30 oder Nux vomica D6 bewährt, am besten zusammen mit den beschriebenen Fütterungsmaßnahmen.
Bei sehr hartem Stuhl, dem paradoxerweise auch wässrige Anteile beigemengt sind, kann man Sulfur D6 geben, bei einem Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall bietet sich Pulsatilla D6 an.

Bei manchen Patienten kann auch eine Akupunkturbehandlung Abhilfe schaffen, insbesondere, wenn schmerzhafte Zustände an den Kotabsatzbeschwerden beteiligt sind.

(aus: Geliebte Katze 7/2000, mit freundlicher Genehmigung.)
 

Buchtipp zum Thema:



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Das gesamte Werk ist sehr übersichtlich gegliedert und gestaltet, reich bebildert und sehr angenehm zu lesen. Kurzum: Ein unverzichtbares Nachschlagewerk, das Antworten auf nahezu alle Fragen zur erkrankten Katze liefert! (Leider hat es auch einen dementsprechenden Preis....)

 (Großformatige, gebundene Ausgabe, 880 Seiten, 2005, Enke Verlag, ISBN 3830410492, 149,90 EUR)

 

“Katzen Krankheiten” Band 1 + 2 von W. Kraft, U.M. Dürr und K. Hartmann

Und hier haben wir das zweite der beiden zweifellos umfassendsten und empfehlenswertesten veterinärmedizinischen Nachschlagewerke über die Krankheiten der Katze. Lange musste man auf diese 5. überarbeitete Ausgabe warten, endlich ist sie im Handel und hat gegenüber den früheren Auflagen eine ganz erhebliche Erweiterung erfahren: Sie liegt erstmalig in zwei Bänden vor. Das zeigt nicht nur die erheblichen Erweiterungen, die die einzelnen Kapitel erfuhren, sondern spiegelt auch die geradezu sprunghafte Entwicklung wider, die sich in den letzten Jahren auf allen Gebieten der Kleintiermedizin ergeben haben.
Der Tatsache Rechnung tragend, dass die Katze immer mehr an Beliebtheit gewinnt und verstärkt in der Tierarztpraxis vorgestellt wird, liefern die Autoren eine völlige Neubearbeitung und Aktualisierung dieses Standardwerkes, welches erhebliche Erweiterung erfahren durfte.
Die Themengebiete der 1467 Seiten erstrecken sich von Behandlungstechniken über Endoskopie, Bildgebende Verfahren, Sofortmaßnahmen bei akuten Traumen und Notfällen, Vergiftungen, Infusionstherapie und Sondenernährung, Impfung, virale und bakterielle Infektionskrankheiten, Mykosen, Zoonosen, Parasitosen, Krankheiten des Auges, der Ohren, der Haut, des Bewegungsapparates, der Zähne und des Kiefers, des Kreislaufsystems, des Respirationstrakts, der Verdauungsorgane, der Leber, der Pankreas, der Harnorgane, des Blutes, des Immunsystems und des Nervensystems bis hin zur Gynäkologie, Missbildungen, Stoffwechselstörungen, Alterserkrankungen, Tumoren, Onkologie, Ernährung und Diätetik, Verhaltensprobleme, Chirurgie und sogar Tötung.
Interessant ist hierbei, dass manche Krankheitsbilder in verschiedenen Kapiteln (also von unterschiedlichen Autoren) beschrieben werden, was zur Folge hat, dass unterschiedliche Meinungen zum Ausdruck kommen, was dem Leser ein breiteres Blickfeld eröffnet.
Kurz gesagt: Das Warten hat sich gelohnt, die Fülle ist atemberaubend - wenngleich dieses Werk hinsichtlich des Fachjargons nicht ganz so verständlich für den Laien ist wie das vorgenannte Werk.

 (Gebundene Ausgabe, März 2003, Schaper Verlag, ISBN 3794401999, 168,00 EUR)

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(letzte Änderung dieser Seite: 15 April, 2006)


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