Hallo, ich bin Carino. und genau genommen bin ich nur Gast in meiner Familie... Das ist nämlich so: Ich bin eigentlich ein Vermittlungstier, das heißt, mich hat man vorübergehend als Pflegetier bis zu einer erfolgreichen Vermittlung aufgenommen, weil die Dosine ja Katzenschützerin ist... Nur wurde dann über Jahre nix aus der Vermittlung, da ich nicht ganz einfach bin (behauptet Dosine!). So lebe ich nun schon seit Oktober 2002 hier im Haus und gehöre irgendwie schon zum Inventar.
Dieses Bild hat Dosine aufgenommen, bevor sie mich dort einpackte, wo ich zuletzt untergekrochen war. Das war nämlich so: Ich wohnte bei einer Frau in einem großen Mietshaus, und als sich die Frau für zunächst drei Wochen aus dem Staub machte, setzte sie mich einfach draußen vor die Tür, ohne jemanden zu organisieren, der mich versorgte. Ich fand es schrecklich, ausgesperrt zu sein (und das kann ich bis heute nicht leiden!! Wenn die Terrassentür mal zu gemacht wird, weil es draußen kalt ist, komme ich sofort angerannt und springe am Fenster hoch, um Einlass zu verlangen...). Ich brüllte daher vor der Haustür. Die Nachbarn hatten ein Herz und ließen mich zu sich rein.
Die Sache hatte aber einen Haken: Die Nachbarin war hochgradig allergisch und bekam schlimme Asthmaanfälle. Daher schickten sie mich auch immer wieder raus, fütterten mich aber und ließen mich auch immer mal wieder rein. Nur eben nicht ständig. Und so hockte ich einfach dauernd bei denen auf der Fußmatte. Bis die drei Wochen um waren und meine “Besitzerin” wieder heim kam. Die Nachbarn brachten mich zu ihr und geigten ihr die Meinung, wie sie mich einfach unversorgt hatte raussetzen können.
Nun ja, einige Tage später hörten sie mich ununterbrochen in der Wohnung brüllen. Sie dachten, ich würde jammern, weil ich nun nicht mehr raus dürfte, aber es war ganz anders: Meine “Besitzerin” hatte sich wieder aus dem Staub gemacht und war nun “wohnungsflüchtig”. Scheinbar war sie nur kurz zurückgekommen um etwas zu holen, als die Nachbarn mich zu ihr brachten. Mich hatte sie mal wieder unversorgt zurück gelassen. Nach drei Tagen trieb mich der Hunger durch ein Fenster hinauf auf das Dach und ich hockte mich in die Dachrinne und brüllte dort weiter. Die Nachbarn (wieder dieselben) sahen mich dort oben und holten mich in einer waghalsigen Aktion vom Dach (es war ein großes Mietshaus, das Dach war sehr hoch!).
Aber nun stellte sich wieder das Problem des Asthmas ein, und die Nachbarn erkannten schnell, dass es so nicht weitergehen konnte. Sie riefen bei CAT-CARE an und baten Dosine, mich abzuholen. Tja, das tat sie dann auch. Auf dem Weg zur ersten Pflegestelle machte sie noch einen kleinen Abstecher zum Weißkittel, der die Frechheit hatte, mich meiner Männlichkeit zu berauben! Unverschämtheit... Ich wurde nicht einmal gefragt! Als ich wieder zu mir kam, saß ich im Haus einer älteren Dame, die sich als Pflegestelle bis zur Vermittlung zur Verfügung gestellt hatte. Als jedoch drei Monate um waren und sich noch immer kein Zuhause für mich gefunden hatte, wollte die Dame in Urlaub fahren und teilte Dosine mit, sie könne mich nun nicht weiter beherbergen.
Tja, und weil keine andere Pflegestelle frei war, nahm Dosine mich dann mit zu sich heim. Dort packte sie mich erst einmal ins Pflegezimmer, um die Testergebnisse (Aids und Leukose) abzuwarten. Dann durfte ich zu den anderen. Aber das Pflegezimmer ist über viele Jahre “meins” geblieben! Hier konnte ich mich zurückziehen, wenn ich meine Ruhe haben wollte, die anderen durften nicht hinein *breitgrins*. Na ja, und meine Ruhe brauche ich öfter mal, denn ich bin sehr eigenwillig und möchte am liebsten alles beherrschen. Wenn das nicht klappt, werde ich leicht aggressiv und dann brauch ich etwas Zeit, um wieder auf den Teppich zu kommen... Vielleicht hat das auch was mit meiner Herzerkrankung (die kürzlich diagnostiziert wurde) zu tun, ich weiß es selbst nicht so genau. Auf jeden Fall verschlafe ich gern den Vormittag allein in meinem Zimmer (nachts schlafe ich lieber bei Dosine im Arm). Nachmittags und abends bin ich dann gern im Garten (aber nur, wenn es warm und nicht windig ist!!) und terrorisiere die anderen ein wenig ;-))
Irgendwie kapieren die immer nicht, dass ich die meiste Zeit nur spielen will. O.k., ich gebe zu, dass ich dabei ganz schön stürmisch bin und die anderen ziemlich jage, aber das macht mir halt Spaß. Wenn die anderen allerdings mein Spiel dann nicht richtig einschätzen können, gehen sie entweder in Kampfhaltung (was dazu führt, dass ich mich bedroht fühle und aggressiv werde) oder sie gehen in die Defensive und treten den Rückzug an - und damit ist für mich die Jagdsaison eröffnet. Manchmal gerate ich dann außer Kontrolle. Was soll ich sagen? Wenn sie einfach mit mir spielen würden, würde es dazu gar nicht kommen, ehrlich! ;-) Aber das kapiert hier keiner außer meinem Kumpel Rossini und der inzwischen verstorbenen Mimi..... Mit den beiden geht/ging immer die Post ab und wir haben/hatten sehr viel Spaß!
So sind also Jahre ins Land gezogen, und irgendwie gehöre ich natürlich längst zur Familie. Dosine sagt, ich wäre auch längst offiziell adoptiert worden, hätte ich die anderen nicht immer so terrorisiert. Ich muss Euch sagen, mich persönlich interessiert das ja nun überhaupt nicht, ob ich nun offiziell zur Familie gehöre oder inoffiziell *grins* - für mich macht das keinen Unterschied. Ich lebe hier und beanspruche das Reich ganz einfach für mich, ob das den anderen passt oder nicht. ;-) Und deshalb habe ich auch irgendwann gefordert, hier auch endlich meine eigenen Seite zu bekommen! Hat Dosine dann auch verstanden. ;-)
Na ja, und inzwischen steht fest, dass ich trotz aller Probleme, die ich bereite, für immer hier bleiben werde, denn im August 2006 hat sich herausgestellt, dass ich eine schwere Herzerkrankung habe. Ich wäre nämlich nach einer Zahn-OP fast gestorben. Der Kardiologe in Hannover, zu dem Dosine mich daraufhin gebracht hat, stellte fest, dass ich eine angeborene HCM (Hypertrophe Cardiomyopathie) und eine sekundäre Klappeninsuffizienz habe. Zum Zeitpunkt der Untersuchung hatte ich außerdem noch einen Herzbeutelerguss, der meinen Zustand recht kritisch gestaltete. Na ja, ich bekomme jetzt zwei verschiedene Herzmedikamente (Betablocker und ACE-Hemmer) und die ersten Monate auch ein Entwässerungsmittel. Eigentlich ging es mir damit auch recht gut. Nur leider sammelte ich nachts trotzdem immer wieder Wasser in meiner Lunge an, weil mein Blut nicht ausreichend durch das Herz gepumpt wurde, so dass Dosine meine Lunge regelmäßig nachts “trockenlegen” musste. Zumindest hat Dosine mir das so erklärt - ich merkte dann nur, dass ich schlechter Luft bekam. Dosine sagte immer, es sei gut, dass ich jede Nacht in ihrem Arm schlafe und sie somit immer sofort hörte, wenn etwas nicht in Ordnung war.
Im Dezember 2006 meinte der Kardiologe dann, dass vermutlich auch noch ein Lungenschaden vorliegen würde, und ich wohl daher immer nachts so röchelte. Er riet dazu, mir Cortison-Tabletten zu verabreichen, aber das wollte Dosine auf keinen Fall, da diese starke Nebenwirkungen haben. Daher entschied sie sich, auf eigene Faust den Versuch der inhalativen Behandlung mit dem AeroKat zu starten, einem Inhalator für die Asthmabehandlung bei Katzen aus England. Seitdem muss ich morgens und abends 1 Sprühstoß Cortison inhalieren - und damit kamen wir also nach fast einem halben Jahr endlich gegen die nächtliche Atemnot an und von der täglichen Entwässerung runter. Das Röcheln lag demzufolge wohl mehr in einer Verschleimung als in einer wirklichen Wasseransammlung begründet, zumindest, nachdem der Herzbeutelerguss trocken gelegt war. Jetzt röchele ich nachts nicht mehr. Und überhaupt geht es mir damit und mit den Herzmedikamenten eigentlich recht gut. Wenn ich mit meinem Kumpel Rossini raufe und tobe, dann würde niemand auf die Idee kommen, dass ich eine so schwere Erkrankung habe. Natürlich fahren wir regelmäßig zu dem netten Kardiologen nach Hannover (Dr. Tobias kann ich echt empfehlen, der schmust immer erst einmal mit mir, bevor er mit der Untersuch loslegt!!), damit meine Werte überprüft werden. Leider zeigt sich dabei immer, dass mein Herzmuskel sich zunehmend verdickt, was bedeutet, dass mein Herz sozusagen nach innen zuwächst. Dosine sagt, dass dies sehr ernst ist und sie mich damit auf keinen Fall in andere Hände geben kann. Somit steht seit August 2006 fest, was für mich persönlich schon immer klar war: Ich zieh hier nicht mehr aus! ;-)
So, das war meine Vorstellung... Weitere Fotos von mir findet Ihr bei Rossinis Vorstellung und bei der Vorstellung unseres Katzengartens. Ich geh jetzt mal ´ne Runde togen....
Euer Carino
6. Januar 2009 - wieder einmal liegt unser Herz in Scherben...
Zwei 1/2 Jahre nach der Diagnose der Hypertrophen Kardiomyopathie starb Carino am 6. Januar 2009, weil seine in Mitleidenschaft gezogenen Nieren versagten. Bis Silvester 2008 hat er sein Leben in vollen Zügen genossen! Wer ihn gesehen hat, wollte nie glauben, dass er so krank war, denn man hat es ihm wirklich nicht angesehen und auch nicht abgespürt. Er war sehr agil, tobte gern, war nie müde oder schwach, sondern immer auf den Beinen, wenn alle anderen ein Nickerchen machten. Er wollte immer wissen, was im Haus oder im Garten los war und trabte uns stets auf Schritt und Tritt hinterher und forderte uns lauthals quakend zum Spielen auf oder hüpfte zum Kuscheln auf den Schoß... Jetzt, wo er nicht mehr da ist, wirkt das Haus wie in einem tiefen Schlaf... Er fehlt uns so so sehr!
Als wir drei Tage später direkt nach seinem Begräbnis vom Garten ins Haus zurück kommen, läuft drinnen ein Lied, als wäre es nur für diesen unseren traurigen Moment geschrieben worden:
Da, wo Du bist [...] Deine Liebe hat sich tief vergraben in mir drin. Stelle keine Fragen, suche keinen Sinn. Hast mein Leben hell gemacht und mir Weinen beigebracht. Du bist mein Glück, Du bist mein Schmerz, für immer in meinem Herz.
Da, wo Du bist, ist jedes Lächeln nur für Dich. Da, wo Du bist, bitte warte auf mich. Da, wo Du bist, werd ich irgendwann sein. Ganz ohne Dich – ich fühl ich mich so allein.
Da, wo Du bist, gibt es keine Tränen mehr, da, wo Du bist, ich vermisse Dich so sehr, da, wo Du bist, ist kein Traum, der Dich verlässt, wenn ich bei Dir bin, halt ich Dich ganz fest.
Unsere Zeit ist vorbei, tausendmal WARUM gefragt! Erinnerung eingefror´n, weiter laufen jeden Tag. Weiter, immer weiter, bis der Weg zu Ende ist, dann bin ich bei Dir, dann bin ich da, wo Du bist.
Hast mein Leben hell gemacht und mir Weinen beigebracht. Du bist mein Glück, Du bist mein Schmerz, für immer in meinem Herz.
Da, wo Du bist, ist jedes Lächeln nur für Dich. Da, wo Du bist, bitte warte auf mich. Da, wo Du bist, werd ich irgendwann sein. Ganz ohne Dich – ich fühl ich mich so allein.
Da, wo Du bist, gibt es keine Tränen mehr, da, wo Du bist, ich vermisse Dich so sehr, da, wo Du bist, ist kein Traum, der Dich verlässt, wenn ich bei Dir bin, halt ich Dich ganz fest.
(Jens Sembdner)
Das Leben hört nicht auf - es fliegt nur davon, in eine andere Welt...
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