Ob Freigänger oder Indoorkatze, im Alltag lauert so manche Gefahr auf unsere Samtpfoten. Rein instinktiv erkennt die Katze zwar vielleicht die eine oder andere Gefahr und geht ihr aus dem Weg, aber sie hat nun einmal nicht die Intelligenz des Menschen und kann die meisten Gefahren eben leider nicht einschätzen. Somit liegt es an uns, sie so gut wie möglich zu schützen.

Unfallgefahren für Katzen im Haushalt und im Freilauf

Unfallgefahren für Katzen im Haus und im Freilauf

Unfallgefahren im Haushalt

Fenster / Balkon

Fenster und Balkone sind für die Katze verständlicher Weise von ganz besonderem Interesse, kann sie doch hier beobachten, was draußen so vor sich geht. Sobald diese jedoch – in welcher Forma auch immer – geöffnet sind, stellen sie ein immenses Risiko dar. Eine Katze sollte nie – auch nicht im Beisein ihrer Menschen – im geöffneten Fenster oder auf dem Balkon sitzen (es sei denn, das Fenster oder der Balkon liegt im Erdgeschoss und die Katze darf nach draußen gehen), ohne dass eine katzengerechte Absicherung vorhanden ist. Denn die Ursachen für einen Fenstersturz sind vielfältig!

Ein lauter Knall in der Nachbarschaft (z.B. die Fehlzündung eines Autos oder ein runterknallendes Rollo) kann die Katze dermaßen erschrecken, dass sie einen unkontrollierten Satz macht und dabei in die falsche Richtung springt oder einfach das Gleichgewicht verliert und aus dem Fenster fällt. Auch räkeln sich Katzen gern in der Sonne auf der Fensterbank hin und her und können auch hier plötzlich über den Sims rollen.

Das habe ich als Kind selbst einmal miterlebt und werde es daher nie vergessen! Meine Eltern dachten damals, der Kater würde nie rausspringen, und das tat er auch nicht, aber er räkelte sich und rollte dabei einfach über den Fenstersims aus dem 1. Stock! Zum Glück landete er weich in einem Gestrüpp, aber es hätte auch ganz anders ausgehen können!

Und bitte denke nicht, solange du anwesend bist, könnte nichts passieren! Denn das ist weit gefehlt! Eine unvermittelte Bewegung wie zuvor beschrieben geschieht so plötzlich, dass man nicht in der Lage ist, rechtzeitig einzugreifen und den Sturz zu verhindern!
Auch kann es sein, dass z.B. ein Vogel oder ein Schmetterling vorbei flattert und die Katze rein instinktiv einen Fangversuch startet und dabei das Gleichgewicht verliert.

Während meiner 20-jähringen Tierschutzarbeit habe ich mit unzähligen Fällen zu tun gehabt, in denen Katzenhalter um Unterstützung baten, weil ihre Katze aus dem Fenster oder vom Balkonsims gefallen war und sich einen finanziell sehr aufwendigen Bruch oder gar ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen hatten. Und alle haben sie immer gesagt: „Sie sitzt seit Jahren im offenen Fenster, es ist nie etwas passiert!“ Aber irgendwann ist immer das erste Mal!

Und nicht wenige dieser Tiere sind den Folgen ihres Schädel-Hirn-Traumas in der Klinik erlegen oder haben sich beim Aufprall das Genick gebrochen. Denn der altbekannte Spruch, dass eine Katze immer auf ihren Pfoten landet, stimmt leider absolut gar nicht! Es kommt dabei zum einen auf die „richtige“ Höhe an und zum anderen auf die Reaktionsfähigkeit und Wendigkeit der Katze.

Wer also seinem Tier das Leid und sich selbst die Kosten einer aufwendigen Behandlung ersparen möchte, investiert ein paar wenige Euro in ein drahtverstärktes Katzenschutznetz, mit welchem er seinen Balkon und sein Fenster (natürlich ohne es zu beschädigen) absichert. Auf YouTube gibt es reichlich DIY-Bauanleitungen.

Aber noch tückischer und riskanter als komplett geöffnete Fenster sind gekippte Fenster! Versucht eine Samtpfote durch ein gekipptes Fenster ins Freie zu klettern, verliert sie während des Kletterns irgendwann den Halt unter den Hinterpfoten und kann sich nicht mehr abstützen. Sie hängt dann entweder mit ihrem Oberkörper oder mit dem Bauch in der Fensteröffnung, und jeder Stabilisierungsversuch verschlimmert die Lage, denn durch jede Bewegung rutscht sie noch tiefer zwischen Fenster und Rahmen.

Dabei entstehen innere Verletzungen und die Durchblutung der Hinterbeine wird beeinträchtigt. Sie aus dieser Lage zu befreien ist ein wirklich schwieriges Unterfangen, weil man das Fenster ja nun mal nicht öffnen kann und das Tier vor Schmerzen alles andere als kooperativ ist!

Ich wurde mal zu Hilfe gerufen, nachdem ein Kater im Kippfenster einer Dame verendet war. Er war von draußen reingesprungen! Selbst den leblosen Körper des Tieres bekamen wir zu zweit nur unter größtem Aufwand aus dem Spalt, so tief hatte es sich im Todeskampf in den Spalt hineingequetscht. Wer diesen Anblick einmal gesehen hat, öffnet kein Fenster mehr auf Kippe!

Wird eine im Kippfenster eingequetschte Katze rechtzeitig gefunden und es gelingt, sie zu befreien, muss sie unverzüglich und dringend in tierärztliche Behandlung (am besten in eine Tierklinik), da bei derartigen Verletzungen noch mehrere Tage Lebensgefahr besteht! Oft sind die Tiere auch zunächst nicht in der Lage, Ihre Ausscheidungen weiterhin selbstständig zu erledigen und benötigen hierbei die Hilfe der Besitzer (Ausmassieren der Blase).

Um das Ausmaß der Verletzungen beurteilen zu können, führt der Tierarzt Bluttests sowie Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen durch. Die Kosten hierfür sind leider alles andere als geringfügig, genau wie bei den zumeist aufwendigen Brüchen durch einen Fenstersturz.

In einem solchen Fall kann zwar eine Tierkrankenversicherung, welche man beispielsweise über die Versicherungsplattform für Katzenkrankenversicherung abschließen kann, ein Segen sein. Aber eine preisgünstige Vorkehrungsmaßnahme ist ein simpler Kippfensterschutz, der den Unfall verhindert und der Katze wie auch ihrem Besitzer viel Leid erspart!!

Und wie bereits erwähnt, gilt es nicht nur, die Katze davor zu bewahren, das Kippfenster als Ausgang zu nutzen, denn auch so manche Katze hat ihr Leben dabei verloren, das gekippte Fenster im Erdgeschoss als Eingang zu nutzen, weil ihr gerade niemand die Tür aufmachte!

Die menschliche Toilette

Die menschliche Toilette fasziniert viele Katzen. Steht der Deckel offen, wird gerne hineingeschaut oder gar mit dem Wasser gespielt. Insbesondere für junge Katzen ist das gefährlich, da sie in der Schüssel schnell abrutschen. Im schlimmsten Fall steckt der Kopf im Wasser und das Tier kann sich aufgrund der rutschigen Innenwand nicht befreien.

Auch die Toilettenbürste birgt Gefahren, z.B. durch an ihr haftende Chemikalien der WC-Reiniger. Aus demselben Grund sollten keinerlei Reinigungsmittel frei zugänglich für die Katze herumstehen – weder im Bad noch in der Küche.

Offene Treppe

Leider stellen auch offene Treppen im Haus eine nicht unerhebliche Gefahr dar, vor allem dann, wenn mehrere Katzen im Haushalt leben und auf der Treppe gespielt und gerangelt wird! Hierbei besteht nicht nur die Gefahr, durch das Geländer zu stürzen, sondern vor allem auch zwischen den Treppenstufen durchzurutschen! Bei einem solchen Sturz können die Tiere sich die Wirbelsäule verletzen oder auch Kiefer-, Bein- oder Beckenbrüche zuziehen.

Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Als wir unser Haus gebaut haben, habe ich mir große Sorgen um die offene Treppe gemacht und mich gefragt, wie wir diese (möglichst ansehlich) absichern könnten. Der Bauleiter hat mich ausgelacht und gemeint, Katzen seien geschickt und ich solle ihnen mal ein wenig mehr zutrauen.

Doch noch bevor wir damals eine praktikable Lösung gefunden hatten, passierte es! Und zwar ohne dass eine zweite Katze involviert war! Unser Kater Leo lag auf einer der Treppenstufen, als ich aus dem Bad kam. Als er mich sah, räkelte er sich und wollte gekuschelt werden. Es ging so schnell, dass ich nicht die geringste Chance hatte, ihn zu halten, und er fiel vor meinen Augen durch zwei Stufen hindurch und landete auf den Stufen der unteren Etage. Ich war absolut machtlos.  

Daraufhin haben wir fieberhaft nach einer Lösung gesucht und schließlich folgende Konstruktion gebastelt: Aus kleinen Holz-Leisten haben wir für jede einzelne Treppenstufe eine H-Form gebastelt, die wir zwischen die Stufen und das tragende Metall geklemmt haben, so dass sie fest sitzen und nicht nach hinten wegrutschen können. Damit konnte keine Katze mehr durch die Stufen fallen:

Für Katzen abgesicherte Treppenstufen

Haushaltsgeräte

Waschmaschine und Trockner ziehen Samtpfoten fast magisch an. In der attraktiv erscheinenden "Höhle" wollen es sich viele Katzen gern gemütlich machen oder gar schlafen.. Wird die Trommel vor dem Anstellen nicht überprüft, kann es tödlich für die Katze enden.

Küchengeräte (Toaster, Wasserkocher usw.), die am Rand der Anrichte stehen und nach deren Kabel Katzen beim Spielen angeln, können auf sie herabfallen.

Auch das auf dem Bügelbrett geparkte Bügeleisen birgt ein großes Verletzungsrisiko, vor allem natürlich, wenn es eingeschaltet ist und zu Verbrennungen führen kann. Aber auch bezüglich des Herunterreißens am Kabel.

Die heiße Herdplatte bzw. das Kochfeld stellen einen häufigen Unfallort dar. Katzen sind von Natur aus neugierig und möchten alles inspizieren. Wenn es dann auch noch lecker riecht, gibt es oft kein Halten mehr. Während des Kochens und bis zur Auskühlung der Her sollte die Katze also am besten nicht in der Küche sein.

Hat man eine so genannte offene Küche, gestaltet es sich mitunter schwierig, die Katze vom Kochgeschehen fernzuhalten. Hier ist große Achtung und Aufmerksamkeit gefragt! Nach dem Kochen am besten das Kochfeld mit einem speziellen Hitzeschutz abdecken.

Nicht gesichertes oder ungeeignetes Katzenzubehör

Kratzbäume jeglicher Größe sollten an der Wand befestigt werden, damit sie beim Klettern und Toben nicht kippen können! Je größer der Kratzbaum, desto größer die Gefahr, aber selbst kleinere Kratzbäume können kippen und auf das Tier fallen.

Achtung auch beim Kauf von Katzenspielzeug: Viele im Handel befindliches Katzenspielzeug ist nicht nur ungeeignet, sondern sogar gefährlich für die Katze. Fellmäuse z.B. haben häufig kleine Plastikaugen, die sich beim Spiel schnell lösen und verschluckt werden können. Auch die Schwänze werden häufig abgebissen und verschluckt. Manche Federwedel enthalten Folienmaterial, ähnlich wie Lametta, welches sich beim Spielen löst und verschluckt werden kann.

Nicht alles davon findet auf dem natürlichen Weg wieder heraus, viele derartige Fremdkörper können Perforationen der Verdauungsorgane oder Darmverschlüsse verursachen. Am besten man bietet nur Spielzeug aus Naturmaterialien an.

Weitere Gefahren im Haushalt im Überblick:

  • gefüllte Badewanne und andere offene Gefäße, die mit Wasser gefüllt sind
  • Kamin oder offenes Feuer
  • brennende Kerzen
  • Pflanzen (viele Zimmerpflanzen sind giftig)
  • Desinfektions- und Putzmittel
  • jegliche Medikamente
  • ungesicherte Stromkabel und Steckdosen
  • schwere oder große Gegenstände, die leicht zu Boden gebracht werden können
  • Fäden, Schnüre, Wolle, die ganz oder teilweise verschluckt werden und zu Darmverschlüssen führen können
  • verschluckbare Kleinteile (Kinderspielzeuge wie Playmobil, Katzenspielzeug oder Haushaltsmüll)
  • für Katzen giftige Lebensmittel (etwa Knoblauch oder Schokolade)
  • Dekomaterial (wie z.B. Lametta oder Trockengräser mit Widerhaken)

Unfallgefahren im Freilauf

Angesichts der Liste an Unfallgefahren im Haushalt ist es schwer zu glauben, dass beim Freilauf noch mehr Gefahren lauern. Doch genau das ist der Fall. Und leider können wir als Halters sie vor den wenigstens schützen. Vor allem der Verkehr stellt ein großes Risiko dar. Autounfälle sind die vierthäufigste Todesursache bei Katzen. Insbesondere junge und unkastrierte männliche Tiere haben große Reviere mit einer Reichweite von mehreren Kilometern, bei denen sie verkehrsreiche Straßen überqueren und können die Gefahr eines herannahenden Fahrzeugs nicht einschätzen.

Aber auch Schächte und andere Verstecke (zum Beispiel die selten genutzte Garage eines Nachbarn oder dessen Geräteschuppen) können Katzen zum Verhängnis werden.

Ebenso gefährlich sind Stacheldraht und Elektrozäune, welche etwa Industrieanlagen oder Vieh schützen. Die Stromstärke solcher Elektrozäune ist nicht für Katzen ausgelegt und ein Stromschlag kann tödlich enden. Der Stacheldraht kann beim Überspringen den Bauch aufschlitzen (so geschehen bei meiner ersten Katze, als ich noch ein Kind war) oder die Pfoten verletzen.

Gartenteiche, Swimmingpools und Regentonnen, die nicht abgedeckt sind, stellen ein potenzielles Unfallrisiko dar. Katzen können hineinfallen und nirgends Halt finden, um herauszuklettern. Sie können zwar theoretisch schwimmen, sind darin aber nicht versiert. Eine panische Samtpfote kann schnell ermüden und ertrinken. Leider geschieht dies sogar sehr häufig. Kaum jemand denkt, dass seine Regentonne eine Gefahr für frei laufende Tiere darstellt.

Auch die Vergiftungsgefahr im Freilauf ist nicht unerheblich. Sei es durch giftige Pflanzen oder auch durch Chemikalien, wie z.B. Frostschutzmittel am Auto.

Zu den weiteren Gefahren für Katzen beim Freilauf zählen herumliegende Netze und Schnüre, aufgestellte Tierfallen, giftige Tiere, Feuerwerk sowie Rasenmäher bzw. Mähdrescher. Da viele Tiere in den Sommermonaten gerne im hohen Gras schlafen, spielen oder jagen, kann es zu Unfällen kommen.

Auch lauern im Freigang diverse Krankheitserreger, denen eine reine Wohnungskatze nicht ausgesetzt ist, als da wären Parasiten und Einzeller (z.B. Giardien), Pilze, pathogene Keime oder Viren (beispielsweise Toxoplasmose, FIV = Katzenaids oder FeLV = Feline infektiöse Leukämie, im Volksmund Leukose genannt). Gegen manche Infektion kann man seinen Freigänger zwar schützen, aber vor anderen im Freilauf lauernden Gefahren leider nicht.

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